
Sepp Dangl wurde 1927 in Kitzbühel geboren und wurde an der Fachschule für Holzbildhauerei in Hallstatt ausgebildet. Nach dem Krieg ging er zusammen mit Ernst Insam an die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er in der Meisterklasse von Fritz Wotruba studierte. Dangl lebt seit 1959 als freischaffender Künstler in Kitzbühel, hat aber bisher seine Arbeiten nicht in Ausstellungen ge- zeigt. Er zählt zu jenen Künstlern, die in Zurückgezogenheit schaffen und in ihrer Bescheidenheit es nicht verstehen, auf sich aufmerksam zu machen.
Bild: Sepp Dangl, Holzrelief, 1967
Dennoch haben wir es bei Sepp Dangl mit einem ernstzunehmenden bildhauerischen Talent zu tun, der es verdient, daß man ihm großes Interesse entgegenbringt.
In Dangls Schaffen begegnet man zwei verschiedenen Gestaltungsprinzipien, von denen das eine jene Arbeiten betrifft, in denen der Künstler mit einem außerordentlichen Maß an Einfühlungsvermögen Kunstformen vergangener Jahrhunderte nachempfindet. Seine im Stil der Gotik, der Renaissance oder des Barock gestalteten Plastiken sind keine Kopien von bestimmten Werken dieser Epochen, sondern Neuschöpfungen im Sinne dieser Kunststile.
Sein eigentliches künstlerisches Anliegen jedoch ist auf dem Gebiet der modernen Plastik. Daß Wotruba ihm die entscheidenden Impulse vermitteln konnte, liegt auf der Hand, denn weite Bereiche der gesamten europäischen Plastik stehen ja unter dem Einfluß dieses bedeutenden Wiener Künstlers. Man kann aber auch bemerken, daß in seiner Nachfolge, also auch unter seinen Schülern, Künstler sind, die die beiden wesentlichen Forderungen der Wotruba-Schue - die menschliche Gestalt bleibt Ausgangspunkt des Schaffens und wird in architektonischem Sinne aufgebaut - beobachten, sich dennoch aber durch individuelle Formulierung dieser Forderungen deutlich vom Einfluß ihres Lehrers befreien. In diesem Sinne ist auch Sepp Dangl ein durchaus eigenständiger Künstler, der mit seinen Arbeiten persönliche Dokumentationen und zugleich solche seiner Zeit erstellt. An der Hauptschule in Kitzbühel hat er 1969 ein 13 m langes Friesband mit lebensgroßen Figuren auf Grund eines öffentlichen Auftrags geschaffen, wo es ihm darauf ankam, nicht nur die menschliche Gestalt prägnant in einer architektonischen Gliederung zu erfassen, sondern darüber hinaus einen Rhythmus stehender und sitzender Figuren vorzuführen. An diesen Gestalten spürt man, daß Dangl sich vom un- mittelbaren Einfluß Wotrubas befreien konnte und eine eigene Sprache spricht. Ohne die anatomischen Gegebenheiten und Proportionen zu zerstören oder zu deformieren, baut er die menschliche Gestalt aus einzelnen abstrahierten Teilen auf und schließt sie zu Gesamtkompositionen zusammen. Es liegt etwas Kraftvolles in Dangls Gestaltung, und man spürt, daß er durchaus fähig ist, in monumentalen Dimensionen zu denken. Seine eigentliche Stärke zeigt sich dort, wo er frei und nur seiner eigenen Intuition folgend gestalten kann. Daß er darüber hinaus auch imstande ist, den Naturformen intensiver nachzuspüren und sie expressiv zu verarbeiten, beweist das vierfigurige Holzrelief aus dem Jahre 1967 in Privatbesitz. Anläßlich der 700-Jahr-Feier der Stadterhebung im Jahre 1971 wurde ihm ein Brunnen in Auftrag gegeben, der in der Hinterstadt aufgestellt wurde. Sepp Dangl hat einen ca. 3 m hohen sechseckigen Brunnenstock, der sich in der Mitte eines sechseckigen Beckens erhebt geschaffen. Der Brunnenstock wurde mit den Bronzebüsten Herzog Ludwigs II. von Bayern, Kaiser Maximilians und Margarethe Maultaschs sowie mit den dazugehörigen Wappen geschmückt.
Quelle: Stadtbuch Band IV (Univ.-Prof. Dr. Heinz Mackowitz)